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Alexa & Co. – Der große Lauschangriff

Sprachassistenten sind praktisch, unterhaltsam und nahezu allwissend. Aber um Datenschutz scheren sie sich nicht.

Kurz mal per Zuruf eine Pizza bestellen, einen Termin in den Kalender eintragen, eine Mail diktieren oder die Adresse der Schwiegereltern erfragen ... Sprachassistenten wie Alexa, Siri, Cortana oder Google sind unglaublich bequem. Nur der Datenschutz bleibt dabei auf der Strecke. Die Sprachanfragen werden aufgezeichnet, übermittelt und ausgewertet. Wenn man jüngsten Berichten glauben darf, sogar durch polnische Heimarbeiter an deren Küchentisch. Allein Google soll Tausende Mitarbeiter mit der Transkription von Mitschnitten beschäftigen, ähnlich wohl bei Amazon. Erst Ende der vergangenen Woche musste auch Microsoft zugeben, dass Mitarbeiter Aufzeichnungen sowohl des Sprachassistenten Cortana als auch des Videoübersetzungsdienstes Skype Translator auswerten.

Ungebetene Ohrenzeugen

Das Online-Magazin VICE fragte bei den Anbieterkonzernen nach, ob und wie viele Menschen bei den jeweiligen Unternehmen Sprachaufzeichnungen abhörten. Im April 2019 gaben die Anbieter darauf folgende Antworten:

  • Google teilte mit, dass „einige Mitarbeiter“ Zugriff auf die Aufzeichnungen haben, ohne Zahlen zu nennen. 0,2 Prozent aller Aufnahmen würden von Menschen analysiert, um die Sprachtechnologie zu verbessern.
  • Amazon („Alexa“) blieb die Antwort zu den Mitarbeiterzahlen schuldig.
  • Apple („Siri“) beteuerte, die Privatsphäre und die Sicherheit zu achten. Ob und wie viele Mitarbeiter auf die Daten zugreifen, blieb unbeantwortet.
  • Microsoft („Cortana“, Skype) antwortete zunächst nicht, teilte dann auf weitere Nachfrage des Magazins Focus Online mit, die Nutzer seiner Dienste willigten in die Sammlung und Auswertung von Daten ein, zudem würden die Daten vor der Auswertung anonymisiert.

Keines der Sprachassistenzsysteme selbst konnte die Frage „Hört jemand unser Gespräch mit?“ in irgendeiner Weise beantworten.

Die Konzerne reagieren auf die Berichterstattung

Erst Anfang August haben die Konzerne nun auf die zunehmende Berichterstattung reagiert.

  • Apple will Siri-Aufnahmen vorerst nicht mehr von Menschen auswerten lassen und mit einem der nächsten Software-Updates dann einen Wahlschalter einspielen, mit dem der Nutzer selbst über die Auswertung der Aufzeichnungen entscheiden soll.
  • Google stoppt vorläufig das Abhören von Nutzern in der EU – mindestens bis Ende Oktober 2019. Was danach passiert, ist noch unsicher.
  • Amazon fordert die Nutzer auf, die Privatsphäreneinstellung der Alexa-App manuell selbst ändern. Man kann auch bereits bestehende Sprachaufzeichnungen zu löschen versuchen – per Sprachbefehl. Ob das funktioniert, ist unklar.

Mehr Unklarheiten als Spaß

Können die Nutzer sicher sein, dass der Ton im Raum nur nach Nennung des Codewortes aufgezeichnet wird? Wie werden Fehlaktivierungen nach „Missverständnissen“ des Codewortes vermieden – die Assistenten „fühlen“ sich in etwa zehn Prozent der Fälle zu oft angesprochen? Wie lange wird nach der Codewort-Nennung wirklich aufgezeichnet? Und lassen sich, wie einige Whistleblower andeuten, die Nutzer über Geodaten (oder die simple Nennung von Namen oder Adresse bei der Pizzabestellung) problemlos identifizieren?

Solange die vielen Fragen nicht geklärt und die Datenauswertungen offengelegt sind, sollten Sprachassistenzsysteme sehr überlegt eingesetzt werden. In Unternehmensbereichen, in denen mit vertraulichen Informationen umgegangen wird, sind die Assistenten eher fehl am Platz. Ihr Datenschutzbeauftragter berät Sie gern.

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